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Hilfsmittelversorgung zur Erhaltung der Selbständigkeit

Bei einer chronischen bzw. fortschreitenden Erkrankung wie der Multiplen Sklerose stellt die Hilfsmittelversorgung im Gegensatz zu anderen neurologischen Erkrankungen eine besondere Herausforderung dar, weil sich die Symptome im Krankheitsverlauf verändern können. Dadurch entstehen immer wieder neue Ansprüche an eine Hilfsmittelversorgung, die den Bedürfnissen der betroffenen Menschen gerecht wird.

Da es mittlerweile eine sehr breite Palette an Produkten (von kleinen Hilfsmitteln für den Alltag wie z.B. Esshilfen über verschiedenste Gehhilfen bis zu einer großen Vielfalt von verschiedenen Rollstühlen und Patienten-Liftern) gibt, ist eine fachliche Beratung und Unterstützung bei der Auswahl der Hilfsmittel und der Beantragung diverser Zuschüsse (Krankenkassen, Fonds, etc.) durch einen Experten (Arzt, Ergotherapeutin, Reha-Berater von Sanitätshäusern, etc,..) zu empfehlen.

Oberstes Ziel ist es das größtmögliche Maß an Selbständigkeit und Lebensqualität für den an MS erkrankten Menschen zu erreichen bzw. zu erhalten. Eine sehr individuelle Herangehensweise ist erforderlich, denn eine Versorgung ist in erster Linie abhängig von den Interessen des Patienten und seinen Möglichkeiten. Es spielen jedoch auch Faktoren wie die häusliche Umgebung und das soziale Umfeld eine wesentliche Rolle. Es steht immer im Vordergrund was der Patient mit dem jeweiligen Hilfsmittel erreichen und wobei er unbedingt mehr Unterstützung und Erleichterung möchte.

Eine adäquate Hilfsmittelversorgung kann die Lebensqualität erheblich steigern. So kann es möglicherweise zu Beginn eine Überwindung bedeuten, auf bestimmte Hilfsmittel zurückzugreifen. Erst wenn die Scheu abgelegt ist, wird oft der Nutzen des jeweiligen Hilfsmittels erkannt. Der Entschluss, einen Rollstuhl zu verwenden, obwohl die Gehfähigkeit gegeben ist, kann vorerst schwer fallen. Es kann jedoch die Lösung sein, um z.B. an Ausflügen, Museumsbesuchen, etc. teilnehmen zu können, die ohne Rollstuhl zu beschwerlich geworden sind. Gerade in diesem Fall ist ein hohes Maß an Eigenverantwortung erforderlich, um zu entscheiden, wann benutze ich den Rollstuhl, wann kann ich die zurückzulegende Strecke auch als Gehtraining absolvieren und trotzdem noch an gesellschaftlichen Ereignissen teilnehmen.

Der an MS erkrankte Mensch ist gefordert dort Kräfte zu sparen wo es möglich ist, um andere, für ihn wichtigere Aktivitäten ausführen zu können. Eine Mehrfachversorgung mit Hilfsmitteln kann auf den ersten Blick widersprüchlich wirken, ist aber durchaus sinnvoll, wenn es um die Einteilung von Ressourcen geht (z.B. einerseits die Versorgung mit einer Gehhilfe, um sich im häuslichen Bereich oder für kurze Strecken außerhalb selbständig bewegen zu können und andererseits einen Elektrorollstuhl für den Außenbereich, um große Distanzen allein zu bewältigen und somit soziale Kontakte zu ermöglichen).

Hilfsmittel können aber nicht nur die Mobilität erhöhen,
  • sondern auch Sekundärschäden durch korrektes Positionieren im Rollstuhl vermeiden helfen (Spastik reduzieren und Fehlstellungen vermindern, etc.)
  • sie können die körperliche Eigenversorgung unterstützen (Bsp.: Wohnraumadaptierung durch Griffe, Badewannenlifter, ...)
  • der Angehörigenentlastung dienen (Patientenlifter, höhenverstellbares Pflegebett, ...)
Auch hier ist eine individuelle Beratung unbedingt erforderlich.

Bevor ein Hilfsmittel angeschafft wird, sollte es auf alle Fälle möglich sein, dieses auch auszuprobieren. Bei bestehenden Hilfsmitteln kann man durch fachgerechte Adaptierungen bzw. Veränderungen ein zufrieden stellendes Ergebnis dahingehend erzielen, dass man dieses wieder nützen kann ohne das gesamte Hilfsmittel austauschen zu müssen.

Grundsätzlich gilt der Leitsatz: Soviel wie nötig, so wenig wie möglich.


Johanna Strubreiter und Julia Steinkogler Ergotherapeutinnen der MS-Station im Krankenhaus Bad Ischl OÖ Gesundheits- und Spitals-AG
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